In ihrer aktuellen Ausstellung präsentiert die Galerie Gmurzynska Arbeiten acht bekannter griechischer Künstler. Der renommierte Kurator Christos M. Joachimides hat eine beeindruckende Übersicht über 50 Jahre griechischer Kunst zusammengestellt, ein Panorama unterschiedlichster künstlerischer Positionen, die die Kunstwelt stark beeinflusst haben. Sokrates` bekannter Satz, dass er weder Bürger Athens oder Griechenlands sei, sondern Weltenbürger könnte für diese einzigartige Ausstellung Pate gestanden haben. Alle Künstler haben auf ihrer Suche nach einer internationalen Sprache in der Auseinandersetzung mit ihrer geistigen Heimat ihren eigenen künstlerischen Ausdruck gefunden. Wenn Kounellis davon ausgeht, dass Kunst ein historischer Zwang ist, ergibt sich aus der Frage ein spannender künstlerischer Dialog.
Nach dem zerstörerischen Bürgerkrieg der 1940er Jahre und dem darauf folgenden Stillstand, reisten viele griechische Kulturschaffende ins Ausland, um in einem internationalen Umfeld tätig zu sein. Takis und Kessanlis gingen nach Paris, Kounellis nach Rom, Samaras wanderte mit seinen Eltern in die USA aus. In den späten 60er und 70er Jahren arbeitete Akrithakis in Berlin, Lappas in Aegypten und Georgiou wirkte in Wien und später Florenz.
„Untitled" von 1990, die grossformatige Arbeit von Jannis Kounellis, die in ihrer Materialität und Aura den Betrachtenden in Bann zieht, zeigt wichtige Aspekte von Kounellis Schaffen: seine Vorliebe für Materialien im Rohzustand Wolle, Stein, Holz, Metall und Kohle und die Synthese von einfachen, bescheidenen Materialien, die Suggestion und Theatralik kombinieren. Kounellis Beziehung zu Griechenland ist eine komplexe. In seinen Arbeiten ist eine lange Auseinandersetzung von den zwei Kulturen, die ihn geprägt haben, erkennbar: die mythologischen Anfänge seines Landes und der Einfluss der westlichen, zeitgenössischen Kunst. Daraus entsteht ein dichtes geistiges Gewebe aus Ideen und Formen, das seine Zeit kompromisslos reflektiert.
Lucas Samaras bezeichnet sich selbst als expressionistischen Näher, wobei seine Bilder oft die Qualitäten von byzantinischen Mosaiken aufweisen, für die er sich leidenschaftlich interessiert. Seine zusammen gesetzten Stoffstücke bilden abstrakte Formen und Welten.
Alexis Akrithakis erreichte in den 70er Jahren seine künstlerisch produktivste Zeit. Sein Suchen nach einfachen Materialien, die für ihn Vergangenheit, Sehnsucht und Erinnerung an das Verlorene bedeuten, führte ihn zu altem, verwittertem Holz, Strandgut. Ein häufig wiederkehrendes Emblem war der Koffer, ein Symbol für sein Nomadenleben, das mit seiner Rückkehr nach Athen ein Ende fand.
Nelly's, eine besondere Künstlerin, ragt vom Beginn des 20. Jahrhunderts in unsere Ausstellung hinein: als ein kostbares Kleinod aus einer fernen Zeit, die uns noch heute betrifft. Über sich selber fasste sie ihren Weg zusammen: „Von der Vertreibung unserer Familie aus Smyrna, durch die glücklichen Jahre in Deutschland, dann im aufgeregten Athen der 20er Jahre und später im turbulenten New York, habe ich mit der Kamera all das festgehalten, was in meinen Augen Schönheit bedeutet."